Haus Bastian – Zentrum für kulturelle Bildung der Staatlichen Museen zu Berlin

Haus Bastian – Zentrum für kulturelle Bildung der Staatlichen Museen zu Berlin wurde am 31. August 2019 eröffnet. Eine ganze Woche waren Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Lehrer*innen, Mitarbeiter*innen von Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen, Kolleg*innen aus Museen und Kultureinrichtungen, Förderer und Freunde der Bildungsarbeit aus Politik, Wirtschaft und Stiftungen eingeladen, das neue Bildungszentrum kennenzulernen und einzuweihen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Weltkulturerbe Museumsinsel bietet Haus Bastian seitdem vielfältige Möglichkeiten für zukunftsweisende Bildungs- und Vermittlungsarbeit. Es befindet sich in einem von David Chipperfield entworfenen Gebäude, das bis Anfang 2019 als Galerie genutzt wurde, bevor die Familie Bastian das Haus als Schenkung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergab. Die Programmatik des Zentrums für kulturelle Bildung liegt in der Verantwortung des Referats Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin.

Ein Haus für die Besucher*innen

Das Zentrum für kulturelle Bildung ist ein Haus für die Besucher*innen der Staatlichen Museen zu Berlin. Die ehemaligen Galerieräume wurden vom Erdgeschoss bis in die oberste Etage zu Lern-, Kommunikations- und Aktionsräumen umgestaltet. In seiner zentralen Lage bietet Haus Bastian Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen idealen Startpunkt, um in die Sammlungen der Museumsinsel auszuschwärmen und diese zu erkunden. Die großzügigen Räume laden die Besucher*innen dazu ein, ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Fragestellungen in kreativer Form nach dem Besuch der Museen zu reflektieren, zu erweitern und zu diskutieren. Zudem bietet Haus Bastian ein Forum, um über aktuelle und zukunftsweisende Fragestellungen der Bildungsarbeit in Museen nachzudenken und diese aus verschiedenen Perspektiven zu verhandeln.

Ein Signal

Kulturelle Bildung sowie Besucherorientierung sind Kernaufgaben der Staatlichen Museen zu Berlin. Im Ensemble mit der James-Simon-Galerie, dem im Juli 2019 eröffneten Besucherzentrum der Museumsinsel, repräsentiert Haus Bastian den Bildungs- und Vermittlungsanspruch der Institution an exponierter Lage. Die herausragende architektonische Qualität der Gebäude des Architekten David Chipperfield unterstreicht die Geste: Nur wenige Kulturinstitutionen stellten der kulturellen Bildung bislang ein derart prominentes Bauwerk zur alleinigen Nutzung zur Verfügung. Somit ist das Zentrum für kulturelle Bildung im Haus Bastian mehr als ein herausragendes Gebäude, mehr als ein großer Möglichkeitsraum für Bildungs- und Vermittlungsarbeit in Museen, sondern ein kulturpolitisches Signal: Bildungs- und Vermittlungsarbeit erfährt die Wertschätzung und Sichtbarkeit, die sie in allen Museen erfahren sollte.

Schnittstelle der Museumssammlungen

Die Museumsinsel Berlin ist Ursprungsort und Herz der Berliner Museumslandschaft. An kaum einer anderen Stelle lässt sich die Idee der historisch gewachsenen und enzyklopädisch sammelnden Museumseinheit besser vermitteln als im Haus Bastian. Sammlungsübergreifende Fragestellungen sowie inter- und transdisziplinäre Methoden sind leitend für die Arbeitsweise des neuen Bildungszentrums. Die Besucher*innen spüren Verbindungslinien zwischen Kulturgütern der Kunst, Archäologie und Ethnologie von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Gegenwart nach. Exemplarisch und mit großer Sichtbarkeit werden in halbjährlichem Turnus im sogenannten Verstärker, einer Aktionsfläche des neuen Bildungszentrums, Querschnittsthemen wie z.B. „Eins zu Eins? Von Bildern und Abbildern“, „Wie sieht Glück aus? Über Zufall, Schicksal und Zufriedenheit“ oder „Gut geformt: Über Gefäße“ verhandelt.

Schnittstelle zur Stadtgesellschaft

Die Öffnung der Institutionen für alle gesellschaftlichen Gruppen und Mitglieder der Stadtgesellschaft ist ein herausragendes Ziel der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Lage des neuen Bildungszentrums am Kupfergraben, die den Übergang vom städtischen Raum zur Museumsinsel markiert, ist somit programmatisch zu verstehen. In Kooperation mit verschiedenen Akteur*innen der Gesellschaft soll eine Angebotsstruktur entwickelt werden, die Besucher*inneninteressen berücksichtigt, Gestaltungs- und Handlungsspielräume eröffnet sowie unterrepräsentierte Nutzer*innengruppen fördert.

Programmbereiche

Die Programmatik des neuen Bildungszentrums zeichnet sich durch zwei Bereiche aus: public und professional. Diese stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern verschränken sich in ihren Arbeitsweisen und Wirkungen.

Public:
Eine vielfältige Angebotsstruktur aus z.B. Projekttagen und -wochen, Workshops, Seminaren und weiteren Formaten richtet sich an Museumsnutzer*innen. Die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Hochschulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen zeichnet die Programmstruktur im Haus Bastian ebenso aus wie die Kooperation mit Interessengruppen und Communities. Zudem gibt es Angebote, die in der Freizeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wirksam werden.

Professional:
Arbeitskreise, Tagungen und weitere Formate richten sich an Expert*innen aus Bildung, Kunst und Kultur, Politik und Gesellschaft. Institutionsübergreifend und interdisziplinär werden Themen wie gesellschaftliche Teilhabe, Inklusion oder politische Bildung in Museen verhandelt. Durch den Aufbau agiler Netzwerkstrukturen und regelmäßige Veranstaltungen etabliert sich Haus Bastian als lokaler, nationaler und internationaler Treffpunkt für Fachkräfte der musealen Bildung. Ein differenziertes Fortbildungsprogramm steht Lehrer*innen, Museumsmitarbeiter*innen und Multiplikator*innen der Bildungsarbeit offen.

Die Modellprojekte

In großen regionalen wie überregionalen Bildungsprojekten werden im Haus Bastian zentrale Fragestellungen der Bildungs- und Vermittlungsarbeit in Museen verhandelt. Die konzeptionellen Rahmungen verbinden experimentelle, reflektierende und partizipative Arbeitsprozesse. In der Zusammenarbeit mit verschiedenen Nutzer*innengruppen und Expert*innen werden Strategien, Formate, Handlungs- und Kommunikationsformen der Bildungs- und Vermittlungsarbeit erprobt und ausgewertet. Hierbei sollen Möglichkeiten der Übertragbarkeit auf andere Museen und Kultureinrichtungen aufgezeigt werden. In diesem Sinne versteht sich Haus Bastian als Motor für die Weiterentwicklung der kulturellen Bildung innerhalb der Staatlichen Museen zu Berlin und darüber hinaus.

Folgende Modellprojekte fanden von 2019 bis 2023 in Haus Bastian statt:

Kontinuierliche Weiterentwicklung des Programms

Seit der Eröffnung bis Ende 2023 wird das Programm des Bildungszentrums kontinuierlich im Sinne der aufgezeigten Agenda weiterentwickelt. Dieses erfolgt in engem Austausch mit den Nutzer*innen sowie Expert*innen der Programmbereiche public und professional. Zudem erfolgt ein Abgleich mit den Leitlinien und Zielen des Referats Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin sowie den Sammlungen der Museen. Die Programmstruktur der Initiierungsphase führt in die Programmatik, die Potenziale und die Nutzungsmöglichkeiten von Haus Bastian ein. Mitarbeiter*innen, Kooperations- und Kollaborationspartner*innen sowie Besucher*innen sollen durch die Arbeit in und mit dem Haus und seiner Nachbarschaft zur Museumsinsel Erfahrungen sammeln, die in die zukünftige Programmatik einfließen. Systematisch sollen z.B. verschiedene Querschnittsthemen erarbeitet, evaluiert und etabliert werden. Die gemeinsame Findung von Fragestellungen für zukünftige modellhafte Projekte der Bildungsarbeit wird ebenso angestrebt. Zudem entwickeln verschiedene Interessengruppen, z.B. Studierende und Jugendliche, ihre Vorstellungen für die zukünftige Nutzung von Haus Bastian.

Raumprogramm

Bildungs- und Vermittlungsarbeit benötigt Räume, die unterschiedlichen Bedürfnissen, Aktions- und Sozialformen gerecht werden. In diesem Verständnis wurden die ehemaligen Galerieräume im Haus Bastian in Lern-, Kommunikations- und Aktionsräume umgestaltet. Die Innenausstattung erfolgte in Zusammenarbeit mit raumlaborberlin.

Im Zusammenspiel mit den historischen Ausstellungsräumen der Museen und den Außenräumen der Museumsinsel bietet das Raumprogramm im Haus Bastian ausgezeichnete Voraussetzungen für eine differenzierte Angebotsstruktur. Auf einer Nutzfläche von 1000 qm stehen eine „Verstärker“ genannte Aktionsfläche im Erdgeschoss, zwei weitläufige „Workshop-Allrounder“, ein großer „Seminar-Allrounder“, eine Medienwerkstatt, ein Seminarraum sowie eine Bibliothek zur Verfügung.

 

 

Bildung und Vermittlung bei den Staatlichen Museen zu Berlin

Die inhaltliche und organisatorische Verantwortung für Haus Bastian liegt seit der ersten Idee bis Ende 2023 im Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin. Das Referat ist bis zu diesem Zeitpunkt als zentrale Bildungseinrichtung mit der Konzeption und Umsetzung von Angeboten in allen 15 Sammlungen des Museumsverbundes betraut. Einhergehend mit einer Strukturreform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird die Generaldirektion und der Verbund der Staatlichen Museen zu Berlin im Jahr 2024 aufgelöst. Die Bildungs- und Vermittlungsarbeit wird dezentralisiert und in die alleinige Verantwortung der Museen übergeben. Welche Rolle Haus Bastian – Zentrum für kulturelle Bildung zukünftig in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einnehmen wird, ist zum Zeitpunkt der Erstellung des Textes ungewiss.